Diese drei Festnetz-Zugangsleitungen für Internetanschlüsse sollten Sie kennen

Verfasst am 11. August 2016 von Philipp Rabus

Telekommunikation wird immer digitaler. Mit Abschaltung der reinen Telefon-Sprachleitungen durch die All-IP-Umstellung wird zusätzlich mehr Internetbandbreite benötigt. Nicht jede Zugangsleitung bietet die nötigen Eigenschaften, um den Unternehmensanforderungen gerecht zu werden. Nach dem Lesen des Artikels werden Sie wissen, dass nicht nur Tarifeigenschaften für eine Entscheidung herangezogen werden sollten.

Telefonkabel

Das Deutsche Telekommunikationsnetz basiert mit Abstand zum größten Teil auf Kupferleitungen, die in fast jedes Gebäude führen. Darüber wurden seit Jahrzehnten Telefonanschlüsse (Teilnehmeranschlussleitungen, kurz TAL) geschaltet und Telefonverbindungen ermöglicht. Später folgten dann auch Datenverbindungen über Modems.

Mit Einführung von DSL konnten auch Breitbandverbindungen über das alte Telefonnetz aufgebaut werden, ohne, dass die zum Teil sehr alten Kupferkabel ausgetauscht werden mussten. Mit DSL-Splittern konnte Breitbandsignale auf den jeweiligen Telefonanschluss geschaltet werden, ohne einen zusätzlichen Anschluss in Betrieb nehmen zu müssen.

Das Telefonkabel funktioniert mit zwei Kupferdrähten, die an eine TAE-Telefondose angeschlossen werden. Jede Teilnehmeranschlussleitung ist eine exklusive Verbindung zwischen dem Anschlusspunkt, d.h. der TAE-Dose und der Vermittlungsstelle des Anbieters. Da es sich um Kupferdrähte handelt, wirken physikalische Eigenschaften auf die Verbindungsqualität ein. Elektromagnetische Störquellen wie Stromkabel oder parallele Telefonanschlüsse beeinflussen die Signalqualität, hohe Leitungslängen minimieren die Signalstärke zusätzlich (höhere Dämpfung der Signale durch höheren elektrischen Widerstand).

Aus diesem Grund hat sich bei Telefonkabel-basierten Internetanschlüssen seit Jahren die „bis zu“-Bandbreite etabliert, da die Anbieter nicht für jede Kupferleitung vom Verteiler bis zur Telefondose eine verlässliche Bandbreite im Betrieb garantieren können. Selbst nach Schaltung können Störeinflüsse auf das Telefonkabel die maximal erzielbare Bandbreite verändern.

Neue Übertragungsstandards wie VDSL nutzen das verfügbare Frequenzspektrum der Zweidraht-Technik immer weiter aus, finden aber physikalische Grenzen. So kann in Deutschland bei Verfügbarkeit im Anschlussbereich derzeit über den Standard VDSL-Vectoring bis zu 100 Mbit/s im Downstream übertragen werden, wenn ideale Leitungsbedingungen vom Verteiler bis zum Anschlusspunkt herrschen.

Internetanschlüsse über Kupfer sind günstig: Da im Grunde jedes Gebäude mit einem Telefonanschlussverteiler ausgestattet ist, sind für Mieter keine Investitionen in die Infrastruktur notwendig, um einen Internetanschluss über das Telefonnetz zu schalten. Bauherren können die Erschließung eines Neubaus kostengünstig beim Bauherrenservice der Deutschen Telekom beauftragen.

Aufgrund der physikalischen Einflüsse haben Internetanschlüsse über Telefonkabel Beschränkungen insbesondere bei der Zuverlässigkeit und der Geschwindigkeit. Damit dürften kupferbasierte Internetanschlüsse nur eine Brückentechnologie darstellen, die langfristig durch andere Medien abgelöst werden.

(Fernseh-)Kabel

Das deutsche Kabelfernsehnetz wurde verstärkt ab dem Jahr 2000 durch regionale Anbieter privatisiert, erweitert und modernisiert. Dazu zählte insbesondere auch, dass große Teile des Fernsehkabelnetzes rückkanalfähig gemacht wurden, um Datenübertragungen nicht nur in Empfangsrichtung (Download, Fernseh-Sendung anschauen) sondern auch in Senderichtung (Upload) zuzulassen.

Das Fernsehkabel funktioniert wie eine Antenne und überträgt primär Fernsehsignale. Da bestimmte Frequenzbereiche bei der Fernsehübertragung ungenutzt sind, können diese Lücken genutzt werden, um zusätzlich Datenpakete auszutauschen. Dies nutzen Kabelanbieter aus, um ihren Kunden über das bestehende Kabelfernsehnetz Internetanschlüsse anzubieten.

Das Fernsehkabel ist ein geteiltes Anschlussmedium, also eine nicht-exklusive Verbindung zum Anbieter. Das verwendete COAX-Kabel wird auch als Antennenkabel bezeichnet und in der Bus-Topologie vernetzt. Das bedeutet, dass alle angeschlossenen Teilnehmer über dasselbe Medium, dem Bus angeschlossen sind: Alle Teilnehmer teilen sich also das Kabel und die zur Verfügung stehende Ressourcen.

Je mehr Teilnehmer an dem Bus angeschlossen werden, desto mehr Teilnehmer teilen sich die verfügbare Bandbreite des Mediums. Stehen zum Beispiel 100 Mbit/s auf dem Bus zur Verfügung und sind 100 Teilnehmer am Bus angeschlossen, die gleichzeitig surfen, steht bei voller Auslastung und gleichmäßiger Verteilung jedem Teilnehmer nur 1 Mbit/s netto zur Verfügung.

Neuere Übertagungsstandards und die digitale Kompression der TV-Kanäle ermöglichen mehr Bus-Bandbreite, die Teilung der Bandbreite mit allen angeschlossenen Teilnehmern bleibt jedoch.

Weil nie feststeht, wie viele Teilnehmer tatsächlich am jeweiligen lokalen Bus hängen, steht nicht automatisch fest, wie viel Netto-Bandbreite erzielt werden kann. So kann ein zufriedener Kabelkunde im benachbarten Straßenzug sehr positive Übertragungsraten erzielen, wenn hier weniger Teilnehmer angeschlossen sind, man selbst aber unzufrieden viel weniger Bandbreite erreichen, wenn am eigenen Bus mehr Kunden hängen und die Bus-Bandbreite ausreizen.

Somit sind auch größere tageszeitenabhängige Schwankungen der Internetbandbreite möglich und nicht immer vorhersehbar.

Kabelinternet bietet meist die kostengünstigste Bruttobandbreite. Sie erhalten also viel Quantität zum kleinen Preis. Nicht immer ist jedoch die Qualität ausreichend, so dass die Anbieterangebote immer sehr kritisch zu prüfen sind, wenn Sie Augenmerk auf Zuverlässigkeit legen und spezielle Geschäftskundendienste nutzen möchten.

Glasfaser

Unter dem Begriff Glasfaser werden verschiedene Lichtwellenleiter (LWL) zusammengefasst, über die opto-elektrische Signale ausgetauscht werden können. Nichts ist schneller als das Licht, so dass Signale über LWL nahezu verzögerungsfrei empfangen werden.

In Deutschland sind überwiegend Unternehmen an Glasfasernetze angeschlossen, um eine besonders schnelle und zuverlässige Internetanbindung zu erhalten. Anders als beim kupferbasierten Telefonleitungsnetz, das in Deutschland fast ausschließlich der Deutschen Telekom gehört, werden Glasfasernetze durch viele verschiedene, z.T. lokale Anbieter (Carrier) betrieben. So müssen Glasfaserleitungen mangels Abdeckung meist erst baulich erschlossen werden. Diese Erschließungskosten werden auf den Anschluss bzw. in die Bereitstellungskosten umgelegt und können sehr oft sogar sechsstellige Beträge bedeuten.

Dafür können über Glasfaser mehrere Gigabit/s in Download- und Uploadrichtung bereitgestellt werden. Glasfaserleitungen sind zudem zuverlässiger und bieten höhere Jahresverfügbarkeitsgarantien, die gerade über eine Zweianbindung noch weiter erhöht werden kann.

Neben den unterschiedlichen Typen von Lichtwellenleitern gibt es auch unterschiedliche Arten der Topologie, also wie das Glasfasernetz aufgebaut ist.

Die drei geläufigsten Arten finden Sie in diesem Artikel.