Ratgeber – Sie suchen neue Büroräume? Teil 2: Strukturierte Verkabelung in den Büroräumen

Verfasst am 3. Februar 2017 von Philipp Rabus

Für die grundsätzlichen Vernetzungsmöglichkeiten in Ihren Büroräumen sind die so genannten passiven Netzwerkkomponenten wichtig. Damit sind die Teile eines Computer-Netzwerks gemeint, die nicht mit Strom betrieben werden, z.B. die Netzwerkverkabelung oder auch Anschlussdosen.

Die meisten Büroflächen-Angebote werben mit bereits vorhandener Netzwerkverkabelung in den Büro-Räumen. Das klingt erst mal gut, aber auf diese Aussage alleine sollten Sie nicht bauen, da hierzu wichtiges zu klären ist, wenn Sie auf eine funktionierende Verkabelung angewiesen sind.

Prinzipiell können Sie nicht vorhandene oder defekte Netzwerkverkabelung nachrüsten, was aber zusätzliche Kosten verschlingt und den Bezugstermin verzögern kann.

Nutzen Sie unsere Hilfestellung in diesem Artikel, um die notwendige Netzwerkverkabelung in der avisierten Fläche zur prüfen. Bei Konkretisierung Ihrer Anforderungen und der Flächenbegebenheiten bieten wir Ihnen zusätzlich weiterführende Beratung im persönlichen Kontakt (siehe unten).

Handelt es sich um Twisted-Pair-Verkabelung?

Ihre Computer und VoIP-Tischtelefone werden kabelgebunden per Netzwerkkabel (verdrilltes Kupferkabel – „Twisted-Pair“) mit einem RJ45-Stecker (Westernstecker mit acht Kontakten) ans Computernetzwerk angeschlossen. Eine kompatible Verkabelung muss also in den Büroräumen installiert sein.

Die Twisted-Pair Verkabelung ist in Qualitätskategorien (CAT) klassifiziert. CAT 5 sollte es für Gigabit-Ethernet mindestens sein, Neubau-Flächen sollten mit CAT-7- oder mind. CAT-6-Verkabelung ausgestattet sein. Zudem darf keine CAT-Leitung länger als 100 m sein um standardkonforme Verbindungen zuzulassen.

Netzwerkdoppeldose im Kabelkanal mit eingestecktem CAT-6-Kabel

Ist die die Verkabelung funktionsfähig?

Prüfen Sie in jedem Fall, ob in den Büroräumen ausreichend RJ45-Netzwerkdosen vorhanden sind und das Gegenstück der jeweiligen Leitung auf einem Patchpanel im Serverraum terminiert. Lassen Sie sich ggf. eine Funktionsgarantie für Gigabit-Netzwerkverbindungen seitens des Vermieters geben.

CAT-6-Patchpanel teilweise bestückt mit RJ45-Steckmodulen

Selten sind Netzwerk- oder Serverschränke vorhanden. Fehlen diese, liegen die Patchpanels trotzdem im Anschlussraum. Hat der Vormieter die Patchpanels entfernt, wird es aufwendig, wenn die Netzwerkkabel nicht mehr angeschlossen sind. Dann müssen pro Kabel acht Adern auf ein neues Patchkabel einzeln aufgelegt werden.

Müssen mehrere Gebäudeteile vernetzt werden?

Ist das Büro entsprechend groß, dass CAT-Netzwerkleitungen über 100m lang würden, sind Glasfaser-Leitungen mit CAT-Unterverteilern nahezu unabdingbar. Je nach Glasfasertyp, gewünschter Bandbreite und verwendeter Technik sind sogar mehrere Kilometer Leitungslänge über Glasfaser möglich. Damit lassen sich also auch entfernte Etagen bzw. Gebäudeteile zuverlässig vernetzen. Vom Glasfaseranschluss im Unterverteiler sorgen dann die CAT-Kabel für die vollständige Vernetzung bis in die Büros. Die Umsetzung von Glasfaser- auf Kupfer-Netzwerk erfolgt über Netzwerkswitches (aktive Komponenten), die Mietersache sind.

Sind die betroffenen Gebäudeteile bereits per Glasfasern verbunden, informieren Sie sich unbedingt über den installierten Kabeltyp, um auch die erforderlichen Netzwerkswitches auswählen zu können.

Glasfaser-Patchpanel mit LC-Steckern

Fehlt die Vernetzung per Glasfaser, muss entweder nachgerüstet werden oder alternative Verbindungsmöglichkeiten gefunden werden. Hierfür sollten Sie zunächst mit dem Eigentümer abklären, ob Leerrohre vorhanden sind und zwischen den Gebäudeteilen ggf. Brandabschottungen beachtet werden müssen.

Sollte die Vernetzung per Glasfaser zu unwirtschaftlich oder baulich bedingt nicht möglich sein, könnten Funklösungen oder Inhouse-DSL-Verbindungen (Verbindungen über Zweidraht-Kupferleitungen innerhalb des Gebäudes) eine Alternative darstellen. Diese haben unter Umständen aber gegenüber Glasfaser entsprechende Einschränkungen.

Ist die telekommunikationstechnische Erschließung bis in Ihre Räumlichkeiten vorhanden?

Über einen ganz wichtigen Teil der Verkabelung wird meist nicht gesprochen: Oft werden Büroflächen bezogen, die zwar grundsätzlich an das Telekommunikationsnetz angeschlossen sind, jedoch fehlen meist Steigleitungen für zusätzliche Anschlüsse.

Kupferbasierte Telefonanschlüsse werden per Zweidraht-Leitung angebunden. So sind einige Büroeinheiten nur mit einem vieradrigen Telefonkabel erschlossen. Das reicht im Beispiel maximal für zwei Telefonanschlüsse. Ist z.B. ein SDSL-Anschluss oder eine Standleitung geplant, sind vier Doppeladern erforderlich, die dann vom Hausanschluss bis in Ihre Räumlichkeiten nachgerüstet werden müssen.

Wir empfehlen mind. 8 funktionierende Doppeladern mit 0,6 mm Adernquerschnitt (besser: zwei CAT-7-Kabel) vom Hausanschluss bis in Ihren Serverraum, um mehr als nur einen Telefonanschluss schalten zu können. Ist diese Anforderung nicht gegeben, prüfen Sie besser im Vorfeld, ob eine Nachrüstung über Leerrohre einfach möglich ist und einigen Sie sich mit Ihrem Vermieter über Maßnahmen.

Telefonanschlussdosen für SDSL- und VDSL-Anschluss

Im Zweifel gibt es ja noch WLAN?

Zwar bietet WLAN immer größere Geschwindigkeiten und mehr Sicherheit als noch vor einigen Jahren, WLAN ist aber als Funklösung störungsanfällig und ein geteiltes Medium: Die Funkbandbreite steht allen eingebuchten Nutzern in Summe zur Verfügung, so dass die Auslastungsgrenze schnell erreicht sein kann. Für Kleinbüros mag WLAN gegebenenfalls eine kostengünstige und einfache Komplettlösung sein, die trotzdem immer individuell zu bewerten ist. Für ein sicheres professionelles Computernetzwerk sind kabelgebundene Lösungen ohne Alternative, so dass WLAN als zusätzliche Vernetzungsmöglichkeit nur eine Mobilitätsoption darstellen sollte.

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